Wer mit dem ganzen Körper denkt, denkt besser


Am 30. September 2014 fand der erste Tageskongress „Generation Superior – Die Kunst des langen Lebens“ von Julia Onken statt. Ich kann mit meinen 64,5 Jahren noch nicht so ganz mitreden – und tue es doch: Grossartige Veranstaltung. Sehr empfehlenswert (vormerken für 2015). Inspirationen für die Hirnwindungen, für die Herzspiralen und die Gefühlswelten. Allerdings – noch – nicht für die Körperzellen.

Soziologe Peter Gross,73, sagte in seinem Referat nebst den vielen klugen Dingen, denen Sie auch hier im Magazin Generation Superior regelmässig begegnen, sinngemäss: Nur der Körper macht das gute Altwerden halt nicht mit, ab 40 nehmen die Kräfte ab, da kann man nichts machen.

Diesem normativen Glaubenssatz wurde nicht widersprochen. Auch Julia Onken sang das Hohelied des jungen Geistes im alten Körper, die Macht des Innen über das Aussen. Sie gründete mit 72 ein Magazin, von dem jeder vernünftige Verleger sagen würde: „Vergiss es!“, dazu eine Akademie für menschengerechtes, gutes Altwerden und lässt sich im Zürcher Kongresshaus kokett von den anwesenden Männer auf die Bühne und von der Bühne helfen, weil es da eine höhere Stufe zu überwinden gab. Die Podiumsgäste sassen allesamt so krumm in den körperfeindlich konstruierten Fauteuils, als wären sie Greise. Selbst der Ex-Chefarzt Oswald Oelz, 71, der als Extrembergsteiger seinen Körper eigentlich extrem schätzen muss, hing mehr als er aufgerichtet war. Nicht mal Psychologe Matthias Jung widersprach, obwohl er selbst mit seinen 74 Jahren das Gegenteil von körperlichem Zerfall ausstrahlt: federnde, sinnliche Spannkraft.

Also: Ich widerspreche. Liebe Generation Superior-Leserinnen und -Leser. Bitte machen Sie den Schritt in die bewusste „Altersevolution“, wie sie Onken, Gross, Jung vorleben, zuerst körperlich. Aufrecht, geschmeidig, stark. Dann geht alles andere leichter, vielleicht sogar leicht.

Es ist nicht so, dass ausgerechnet der Körper, der unser Gehirn und seinen Geist lebenslang plastisch und lernfähig hält, selber nur noch nachlässt, sobald wir erwachsen sind. Das Gehirn ist plastisch. Der Geist ist lernwillig. Die Gelenke sind formbar. Solange wir leben. Unabhängig von ein paar Falten. Schmerzende Rücken, kaputte Gelenke, brüchige Knochen, schrumpfende Muskeln, erlahmende Sehnen, eingeklemmte Nerven – das muss alles nicht sein. Ihre Knochen sind so intelligent wie Ihre Hirnzellen, halt einfach mit einem anderen Wissen ausgestattet. Und wie das Hirn braucht der Knochen die Herausforderung, um jung und aktiv zu bleiben.

Nun können Sie einwerfen: „Sie haben gut reden, Sie junger Hüpfer.“ Stimmt nur bedingt. Bis 47 alterte ich körperlich schneller als normal, „es ging“ Jahr für Jahr immer ein bisschen weniger. Dann fiel mir der Widerspruch auf: Wieso soll der Körper schneller altern als der Geist, der ihm innewohnt? Ich entwickelte eine Haltungs- und Bewegungsmethode, die auf Bewusstheit und Qualität fusst. So, wie ich meine Denkapparat seit Jahren auf Bewusstheit und Qualität trainiere.

Seither verjüngt er sich, der Körper. Er ist kräftiger, beweglicher und reaktionsgeschickter, als er es in jungen Jahren war. Ich laufe besser, schwimme besser, reise besser, schlafe besser. Ich wage mehr, ich vertrage mehr, ich kann mehr, ich will mehr. Und mit mir tun es Abertausende Menschen, die nach der Möglichkeit suchten, den Körper so jung zu halten wie den Geist.

Da ist zum Beispiel Frau P. aus Z. Sie ist 85 und trainiert seit 15 Jahren in meinem Zürcher Studio. Ich traf sie einen Tag nach dem Kongress zufällig in der Tram Nr. 4 in Zürich und machte ihr ein Kompliment für ihre Ausstrahlung. „Ja“, sagte sie, „das kommt vom Training. Ich kam damals mit meiner besten Freundin in die Probelektion. Ihr gefiel es nicht. Heute geht sie krumm, nach vorne geneigt, manchmal schon mit Stock, es tut ihr alles weh und sie mag überhaupt nichts mehr unternehmen. Das ist sehr traurig.“ Sprach’s, sprang auf, und tänzelte die Tramstufen hinunter, ohne sich an einer Stange festzuhalten.

Frau P. zeigt, wie aussen und innen zusammenspannen, wenn sie gleich viel Aufmerksamkeit, Bewusstheit und Pflege erfahren. Auch mit 85.

Benita Cantieni, CANTIENICA AG

PS: Meine Augen altern. Ich habe ihnen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich trage Brillen. Und jetzt brauche ich einen Spagat. Oder zwei …

Benita Cantieni schreibt regelmässig in der Zeitschrift ‘Generation Superior’ ihre Kolumne. Aus der aktuellen Ausgabe 6 Winter 2014 ist dieser Beitrag.

#betteraging

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